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Die Zeiten ändern sich – wie bringe ich es nur dem Kinde bei?


 


Ein Versuch, den Zustand unserer Gesellschaft zu betrachten.

Ich bin von Natur aus Beobachter und Analytiker. Ich versuche, die Dinge mit einem möglichst nüchternen Blick zu betrachten, ohne vorschnell zu urteilen und ohne jede Emotion zum Maßstab zu machen und doch muss ich ehrlich sagen:

Manches erscheint mir zunehmend erschreckend.

Das unausgesprochene Motto unserer Zeit scheint immer häufiger zu lauten:

jeder gegen jeden

.Genau darin könnte eine der größten Herausforderungen unserer Zukunft liegen.

Wie meine ich das? Wir scheinen verlernt zu haben, wieder aufeinander zuzugehen.

Schon dieser Gedanke löst bei manchen Ablehnungen, Resignation oder sogar eine fast kindliche Trotzreaktion aus.

Die Fronten verhärten sich. Meinungen werden zu Lagern. Menschen werden vorschnell eingeordnet und bewertet.

Während wir uns gegenseitig bekämpfen, profitieren oft diejenigen, die von unserer Spaltung leben – im Großen wie im Kleinen.

Denn eine gespaltene Gesellschaft ist leichter zu lenken als eine, die miteinander spricht.

Ich beobachte eine Entwicklung, in der Hass und Hetze in einem Ausmaß geschürt werden, das mich nachdenklich macht.

Der Ton wird rauer, die Empörung lauter und das Verständnis füreinander leiser und immer häufiger frage ich mich:


Wie konnte es so weit kommen?




Vielleicht nicht von heute auf morgen. Vielleicht ganz langsam – Wort für Wort, Schlagzeile für Schlagzeile, Konflikt für Konflikt. Vielleicht haben wir uns schleichend daran gewöhnt, einander zuerst als Gegner und erst danach wieder als Menschen zu sehen.

Und vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo wir wieder lernen zuzuhören, Unterschiede auszuhalten und trotz verschiedener Sichtweisen einander die Hand zu reichen, denn wenn wir unseren Kindern etwas mitgeben sollten, dann vielleicht dies:

Eine Gesellschaft zerbricht nicht daran, dass Menschen unterschiedlich sind.

Sie zerbricht daran, dass sie aufhören, miteinander zu sprechen.





Dazu hat Charles B. Handy auch die folgende Geschichte geschrieben:


Ein alter Mann saß vor seiner Hütte am Ufer eines Sees und sinnierte über sein Leben und während er so saß und nachdachte, sah er am Ufer einen Frosch.

Er packte diesen Frosch, brachte ihn in seine Hütte, wo er ihn in einen Topf mit kochendem Wasser gab. Der Frosch machte einen entsetzten Sprung aus dem Topf, sprang aus der Hütte und verschwand im Gestrüpp.

Eines Tages saß der alte Mann wieder vor seiner Hütte und dachte über sein Leben nach. Ihm fiel der Frosch ein, der sich mit Sicherheit stark verbrannt hatte, sich aber beherzt der Situation entzogen hatte, um weiterzuleben.

In diesem Moment entdeckte der Mann wieder einen Frosch am Ufer. Er fing ihn und nahm in mit in seine Hütte.

Da dieses Mal kein kochendes Wasser bereitstand, gab er den Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser und stellte ihn auf den Ofen. Dann machte er Feuer im Ofen.

Zu seinem Erstaunen stellte der alte Mann fest, dass sich der Frosch im Topf ruhig verhielt. Das Wasser wurde immer wärmer, schließlich heiß und dann begann es zu kochen.

Doch der Frosch blieb selbst im heißen Wasser ruhig und machte keinerlei Anstalten, der bedrohlichen Situation entkommen zu wollen.

Der alte Mann freute sich über das unerwartete Abendmahl und dachte weiter über das Leben nach, während er mit Genuss an seiner Froschsuppe schlürfte.




Warum sprang der Frosch nicht aus dem Wasser? Vielleicht, weil das Wasser nicht plötzlich kochte.

Es wurde langsam wärmer. Grad für Grad. Fast unbemerkt und genau darin liegt die unbequeme Parallele zu uns Menschen.

Wie viel akzeptieren wir heute, was wir vor einigen Jahren noch entschieden abgelehnt hätten?

Wie oft gewöhnen wir uns an Dinge, die uns belasten, einschränken oder verunsichern – einfach, weil die Veränderungen schleichend kommen?

Wir gewöhnen uns an ständigen Stress, an immer höhere Anforderungen, an Dauererreichbarkeit, an Angstmeldungen und Krisen im Minutentakt.

Wir gewöhnen uns daran, weniger Zeit füreinander zu haben und mehr Zeit vor Bildschirmen zu verbringen.

Wir gewöhnen uns an vieles, das sich früher falsch angefühlt hätte.


Nicht, weil wir schwach sind. Sondern weil der Mensch eine erstaunliche Fähigkeit besitzt: Er passt sich an.

Doch Anpassungsfähigkeit kann auch zur Falle werden, denn wenn wir uns an alles gewöhnen, verlieren wir irgendwann das Gespür dafür, wann es Zeit wäre, aufzustehen und zu sagen:

 „Bis hierhin und nicht weiter.“

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, warum der Frosch nicht gesprungen ist.

Die entscheidende Frage lautet:

An welches immer heißer werdende Wasser haben wir uns bereits gewöhnt, ohne es überhaupt noch zu bemerken?



Ja, wir sind an einem Siedepunkt angekommen.


Nicht jeder kann genau benennen, was sich verändert.

Doch viele Menschen spüren es: Die Welt ist im Wandel und gerade deshalb sollten wir uns eine wichtige Frage stellen:

Wie wollen wir diesen Wandel gestalten?


Wollen wir weiterhin in einer Kultur der Verbote, der Angst, der gegenseitigen Kontrolle und immer neuer Einschränkungen leben? Oder wünschen wir uns wieder mehr Eigenverantwortung, Vertrauen und das Gefühl, frei atmen zu können?

Genau an diesem Scheidepunkt stehen wir.


Welchen Weg wählst du?



Den Weg der Komfortzone? Den Weg, auf dem andere immer mehr Entscheidungen für dich treffen, weil Sicherheit versprochen wird? Den Weg, auf dem Regeln Stück für Stück selbstverständlich werden, bis die Luft irgendwann so dünn geworden ist, dass du dich fragst, wann du aufgehört hast, selbst zu gestalten?



Oder wählst du den anderen Weg?


Den Weg, der Mut und Entschlossenheit verlangt. Keinen Blümchen-und-Bienchen-Weg. Sondern einen Weg, der manchmal unbequem ist, der eigene Verantwortung fordert und an manchen Tagen Kraft kostet?


Stell dir vor, du arbeitest den ganzen Tag im Garten.

Du bist verschwitzt, schmutzig, hast Blasen an den Händen und vielleicht sogar ein paar Kratzer von den Dornen. Die Sonne geht langsam unter.

Du setzt dich hin, hältst ein Bier oder ein Glas Wein in der Hand und blickst auf das, was du geschaffen hast und plötzlich ist da dieses Gefühl - Zufriedenheit.

Nicht, weil der Weg leicht war, sondern, weil er dein Weg war. Weil du etwas gestaltet, etwas aufgebaut und etwas hinterlassen hast.

Dann kommen Familie und Freunde dazu. Man sitzt zusammen, lacht, genießt den Augenblick und spürt eine tiefe Freude.




Vielleicht ist das die eigentliche Frage unserer Zeit:


Wollen wir eines Tages auf ein Leben zurückblicken, das vor allem verwaltet wurde? Oder auf eines, das wir mit Mut, Verantwortung und Menschlichkeit selbst gestaltet haben?


Denn jede Zeit des Wandels verlangt eine Entscheidung – und auch Nichtstun ist am Ende eine Entscheidung.


Fangen wir wieder an, mutig zu sein.


Suchen wir nicht länger nur Zerstreuung im Digitalen, sondern wieder echte Begegnungen. Gespräche ohne Bildschirm.

Ein Lächeln ohne Emoji. Gemeinschaft, die man fühlen kann.

Lasst uns wieder aufeinander zugehen, miteinander gestalten und kreativ mit unserem Leben sein, anstatt es nur zu konsumieren.


Raus aus der endlosen Selbstbeschäftigung und dem ständigen Kreisen um das eigene Ich. Ja, sich selbst anzunehmen und gut für sich zu sorgen ist wichtig. Aber wir sind auch Gemeinschaftswesen.

Wir brauchen einander.

Vielleicht ist genau das eine der großen Illusionen unserer Zeit: zu glauben, wir müssten erst vollkommen mit uns selbst im Reinen sein, bevor wir wieder Teil eines lebendigen Miteinanders werden können.


Doch das ist ein eigenes Thema und Stoff für einen nächsten Blog.


Jetzt genieße ich erst einmal den herrlichen Sommer und vielleicht finde ich eines Tages auch den Mut, all diese Gedanken nicht nur niederzuschreiben, sondern sie von Angesicht zu Angesicht mit anderen zu teilen – darüber zu sprechen, was gerade mit uns geschieht und wohin wir als Gesellschaft unterwegs sind.

Denn am Ende bleibt für mich eine Frage, die über allem steht:


Die Zeiten ändern sich – wie bringe ich es nur dem Kinde bei?



Vielleicht nicht durch große Worte, sondern indem wir wieder vorleben, was Menschsein ausmacht:

Mut statt Angst, Miteinander statt gegeneinander, echte Begegnungen statt bloßer Vernetzung und die Bereitschaft, Verantwortung für die Welt zu übernehmen, die wir den kommenden Generationen hinterlassen.


Wieder einmal Gedanken, die hinaus in die Welt dürfen.


Herzlicht Nadine

 
 
 

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